Die neun gefährlichsten Bakterien

Nach Ausbruch der weltweiten Corona-Pandemie geraten vor allem Viren als Auslöser schwerer und teilweise tödlicher Erkrankungen ins Visier. Tatsächlich sind Bakterien jedoch noch weitaus verbreiteter, denn sie besiedeln jedes Lebewesen, jede Flüssigkeit und Oberfläche der Welt – sogar Lebensräume mit extremen Bedingungen wie Schnee oder kochendes Wasser enthalten Bakterien. Die meisten von ihnen sind harmlos, doch Bekanntheit erlangen vor allem die gefährlichen Vertreter. Dabei gibt es unterschiedliche Kriterien dafür, was als besonders gefährlich betrachtet werden muss: Anzahl der Todesopfer pro Jahr, Verbreitungsgeschwindigkeit, Antibiotikaresistenz, Mortalität und viele weitere. In diesem Rahmen kann daher nur eine Auswahl besonders problematischer Keime gezeigt werden.

Staphylococcus aureus und MRSA Bakterien

Staphylococcus aureus ist ein enorm häufiger und weit verbreiteter Keim, der sich auf der ganzen Welt findet. Er gehört zur gewöhnlichen Fauna menschlicher Haut und diese Bakterien sind in den allermeisten Fällen harmlos. Das kann sich jedoch je nach Menge, Immunstatus des Menschen und Auftrittsort ändern. Werden die Bakterien beispielsweise in offene Wunden eingetragen oder vermehren sich in hoher Zahl im Atemtrakt, kann das sowohl zu leichten als auch zu schweren Infektionen führen. Am häufigsten bilden sich Entzündungen der Haut und Weichteile mit lokaler Überhitzung und Eiterbildung. Ebenso treten Lungenentzündungen und sogar Sepsis, Hirnhautentzündung, Entzündungen des Herzens sowie das toxische Schocksyndrom auf.

Tatsächlich stellt jedoch nicht die weite Verbreitung, die eine Ausrottung unmöglich macht, die grösste Gefahr durch diese Bakterienart dar. Bekannt wurde sie vor allem aufgrund ihrer Antibiotikaresistenz, sie werden nach der Substanz als „Methicillin-resistente“ Stämme (MRSA) bezeichnet. Die Resistenz ermöglicht ihnen, die meisten Antibiotika unbeschadet zu überstehen, sodass selbst nicht lebensgefährliche Erkrankungen für Patienten riskant werden. Verschärft wird das durch sein häufiges Auftreten in Krankenhäusern – abhängig von deren Hygienestandards.

Pseudomonas aeruginosa

Auch Pseudomonas aeruginosa gehört zu den Bakterien, die häufig Antibiotika-Resistenzen aufweisen. Er ist sehr weit verbreitet, bewegt sich in nahezu allen feuchten und nassen Milieus und ist ausgesprochen unempfindlich. So wurden selbst in einigen Desinfektionsmitteln Kulturen gefunden. Der Keim kann Lebensmittel verderben, besonderes Gefährdungspotenzial entwickelt er jedoch als häufiger Krankenhauskeim. Speziell immungeschwächte Patienten erkranken durch diese Bakterien an Fibrose, aber auch an Entzündungen verschiedener Organe wie Harnwege, Darm, Hirnhäute oder Mittelohr.

Acinetobacter baumannii

Nur wenig bekannt, aber bezogen auf die Behandlungsmöglichkeiten noch gefährlicher als die beiden zuvor genannten Bakterienarten ist Acinetobacter baumannii. Der Keim kann schwere Wundinfektionen verursachen, wobei viele Stämme zunehmend gegen alle gängigen Antibiotika Resistenzen aufweisen. Hier müssen Medizinier auf Alternativen zurückgreifen, die häufig riskanter sind. Aufgrund seiner weiten Verbreitung in Krankenhäusern – oft als häufigster Erreger überhaupt -, insbesondere in Intensivstationen, wird er als besonders riskant eingeschätzt. Er verursacht auch Blutvergiftungen, Lungenentzündungen und schwer zu behandelnde Harnwegsinfekte, oft bedingt durch den Einsatz von Kathetern.

Pneumokokken

Pneumokokken, eigentlich Streptococcus pneumoniae, sind häufige Besiedler des Nasenraums, insbesondere bei kleinen Kindern und deren Kontaktpersonen. Zumeist lösen die Bakterien nur leichte Schnupfensymptome aus, da sie vom Immunsystem gut in Schach gehalten werden können. Ist die körpereigene Abwehr jedoch gestört, können Nasennebenhöhlen- oder Mittelohrentzündungen, im schlimmsten Fall auch eine Lungenentzündung entstehen. Gelangen sie ins Blut, können sie eine Sepsis sowie weitere lebensbedrohliche Komplikationen verursachen. Gefährdet sind insbesondere ältere Personen, kleine Kinder und Menschen mit chronischen Erkrankungen jeder Art. Ist die Lungenentzündung einmal ausgebrochen, ist die Mortalität hoch – selbst bei einer Antibiotikabehandlung. Schätzungen zufolge sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 10.000 Menschen an einer Infektion mit Pneumokokken.

Neisseria gonorrhoeae

Obwohl die Todeszahlen von Gonorrhöe, auch Tripper genannt, eher gering sind, zählt die Geschlechtskrankheit zu denen mit rasant wachsender Gefährlichkeit. Das liegt einerseits daran, dass sie besonders bei Frauen oft unauffällig verläuft, jedoch für schwere Schäden in der Schwangerschaft und bei der Geburt sorgen kann. Unterschätzt wurde die Krankheit aber auch lange, weil sie eigentlich gut durch Antibiotika zu behandeln ist. Das jedoch ändert sich zurzeit drastisch: In hoher Geschwindigkeit breitet sich ein antibiotikaresistenter „Superstamm“ aus, der potenziell den Tod, zumindest jedoch ernsthafte Langzeitschäden nach sich ziehen kann. Bei weltweit mehr als 100 Millionen Neuinfektionen mit Gonorrhöe im Jahr eine besorgniserregende Aussicht.

Mycobacterium tuberculosis-Komplex

Seit Jahrhunderten zählt Tuberkulose, früher „Schwindsucht“ genannt, zu den gefährlichsten Infektionen der Welt – daran hat sich auch heutzutage nichts geändert. Denn die Infektion hält mit 1,5-1,7 Millionen Todesfällen jährlich den traurigen Rekord der meisten Todesfälle durch einen einzelnen Erreger, sogar noch vor AIDS. Durch ihre mitunter unspezifischen Symptome wird die Erkrankung oft nicht erkannt, sodass die Todesrate nur geschätzt werden kann. Die unterschiedlichen Bakterienstämme derselben Art lösen am häufigsten die namensgebende Lungenerkrankung aus, die oft tödlich endet. Sie können jedoch auch verschiedene andere Organe befallen.

Die Erkrankung kann auch von einigen Tieren, beispielsweise Rindern, auf Menschen und umgekehrt übertragen werden. Weiterhin kann sie über Tröpfchen in der Luft, Nahrungsmittel, Körperflüssigkeiten und durch die Gebärmutter weitergegeben werden – je nach Ort der Infektion. Da Schätzungen nach fast ein Drittel aller Menschen, vor allem in ärmeren Ländern, Tuberkuloseerreger mit sich trägt, ist es nicht möglich, die Erkrankung auszurotten. Ein weiterer Risikofaktor entsteht durch die mittlerweile auftretenden resistenten Stämme.

Clostridium tetani

Chlostridium tetani löst Tetanus, den Wundstarrkrampf, aus. Dank weitreichender Impfkampagnen liegt die aktuelle Zahl der weltweiten Todesfälle zwar nur noch bei knapp 300.000, tragisch daran ist jedoch, dass mehr als 85 Prozent davon Neugeborenen zuzurechnen sind. Diese fallen dem Bakterium aufgrund fehlender Immunität der Mutter zum Opfer. Die Mortalität ist hier mit 70-100 Prozent noch einmal höher als bei älteren Betroffenen mit 20-80 Prozent. Gleichzeitig ist die Dunkelziffer hoch, da die meisten Opfer aus sehr armen Regionen der Welt stammen. Der Tod gilt als extrem qualvoll, weil die Infektion zunehmend Krämpfe der gesamten Muskulatur auslöst, die aufgrund ihrer Intensität sogar Knochenbrüche verursachen können. Tetanusbakterien sind weltweit sehr weit verbreitet, vor allem im Boden und allem, was mit Böden oder deren Stäuben in Kontakt kommt. Die Bakterien sind zwar anaerob, tolerieren also keinen Sauerstoff, allerdings sind sie auch imstande Sporen zu bilden, die lange Zeit unter widrigen Umständen überdauern können.

Cholera asiatica

Die weltweiten Todesfälle durch Cholera, eine schwere Durchfallerkrankung, schwanken stark und sind ohne Labornachweis kaum von anderen ähnlichen Infektionen zu unterscheiden. Trotzdem zählt das Bakterium schon seit Jahrhunderten zu den berüchtigtsten Auslösern grösserer Pandemien. Die Erkrankung ist vor allem deshalb so tückisch, weil sie oft mit Katastrophen, Kriegen oder anderen Ereignissen einhergeht, die gleichzeitig die Gesundheit vieler Menschen schwächen und ihre Versorgung erschweren. Hier liegt die Gefährlichkeit also vor allem in der potenziellen Verbreitung der Erkrankung in Krisenfällen, die in der Vergangenheit immer wieder zu epidemischen Ausbrüchen geführt hat.

Treponema pallidum

Treponema pallidum löst Syphilis aus, die eine weitverbreitete Geschlechtskrankheit darstellt – mit steigender Tendenz, auch in Europa. Die Erkrankung schreitet unbehandelt über Jahre, teilweise auch Jahrzehnte fort und verursacht vielfache und sich verschlimmernde Symptome, die nahezu alle Organe und Gewebe des Körpers betreffen können. Wird das Nervensystem beeinträchtigt, kommt es zur sogenannten Neurolues mit dauerhaften und schweren Ausfällen. Die befallenen Organe, beispielsweise Gesicht, Verdauungstrakt, Geschlechtsorgane oder Herz, bilden vernarbte Knoten, die ihre Funktion beeinträchtigen können. Daraus entstehen bisweilen lebensgefährliche Entzündungen und Blutungen. Noch schwerwiegender sind die Konsequenzen einer unbehandelten, zu diesem Zeitpunkt möglicherweise auch noch unentdeckten Syphilis in der Schwangerschaft: Allein aus dieser Infektion resultieren jährlich geschätzt 200.000 Totgeburten. Überlebende Kinder kommen ohne Behandlung nicht selten mit ernsthaften Schäden zur Welt, die oft erst in den ersten Entwicklungsjahren sichtbar werden. 

Fazit

Durch eine zunehmend globalisierte Welt, aber auch durch den Einfluss von Umweltschäden und einem veränderten Klima nimmt die Gefahr, die von bakteriellen Erregern ausgeht, wieder zu. Insbesondere die sich ausbreitende Antibiotikaresistenz stellt dabei einen wichtigen Faktor dar.